Konsumsucht

Eigentlich ist sie eine ganz normale Frau. Sie ist vielseitig interessiert und engagiert. In der christlichen Gemeinde gehört sie zu den treuen Mitarbeiterinnen. Aber seit einiger Zeit hat sie ein Problem: Sie kauft sich teure Kleider und andere Dinge, die sie im Grunde genommen gar nicht braucht. „Bin ich jetzt süchtig?“ fragt sie in der ersten Beratungsstunde. Im Verlauf des Gespräches wird klar, dass sie oft dann kauft, wenn sie ein frustrierendes Erlebnis hinter sich hat. „Ich muss einfach Dampf ablassen, und so gehe ich in den nächsten Laden und ‚gönne‘ mir etwas.“ Wird der „Frustkauf“ zur Gewohnheit, so entwickelt sich leicht eine Sucht daraus. Aber nicht jeder, der nach einem Frust gerne einkauft, ist gleich süchtig.

Merkmale der Konsum-Sucht

Die Symptome für eine ausgebildete Kauf-Sucht können folgendermassen aussehen:
 
  •  Das Kaufen löst euphorische Glücksgefühle aus, die befriedigen und beruhigen.
     
  •  Es besteht ein unwiderstehlicher Drang einkaufen zu müssen. Den aufkommenden Impulsen kann oft nicht widerstanden werden. 
     
  • Das Kaufverhalten steigert sich, es wird immer mehr, immer öfter und immer teurer eingekauft – bis zum Verlust der Selbstkontrolle.
     
  •   Wenn nicht eingekauft werden kann, treten Entzugserscheinungen auf. Dazu gehören: Innere Unruhe, Aggressivität, Depressionen, psychosomatische Symptome.
     
  • Da ohne Rücksicht auf die finanziellen Verhältnisse eingekauft wird, kann es zu existenzbedrohenden Verschuldungen kommen, bis zum finanziellen Ruin.
Es sind nicht die Güter selbst, nach denen die Konsum-Abhängigen süchtig sind. Es ist die Kauf-Befriedigung, ein momentanes Hochgefühl, dem unweigerlich die Ernüchterung folgt. Zur Kaufsucht gehört der Zwang, kaufen zu müssen, auch wenn man zu Hause schon unzählige Armbanduhren, Fotoapparate oder Kleider hat, mehr als man in diesem Leben tragen kann. Die „Beute“ wird meist nie verwendet: Kleidung, Schmuck und Schuhe werden nie getragen, Geräte nie genutzt.

 

Wer ist konsumsüchtig?

Nach Schätzungen von Experten sind etwa 20% der Schweizerinnen und Schweizer kaufsuchtgefährdet. Alle Altersgruppen und alle Einkommens- und Bildungsschichten scheinen im gleichen Mass betroffen zu sein. Der Anteil der Frauen überwiegt jedoch. Viele Kaufsüchtige spezialisieren sich im Laufe ihrer Erkrankung auf bestimmte Produkte, wobei es meist um „Prestige-Produkte“ geht. Frauen kaufen eher Kleider, Schmuck, Kosmetikartikel, Lebensmittel und Bücher; Männer eher technische oder modische Accessoires, also zum Beispiel Gürtel, Schmuck, eine teure Rolex, aber auch technische Geräte (z.B. Computer) und Sportgeräte.


Die Ursachen

Kaufen dient vielfach der eigenen emotionalen Unterstützung. So ist der Kaufzwang oft Ersatz für mangelnde Anerkennung, dient als Schutz vor innerer Leere und Unsicherheit, zählt als Belohnung und Trost. Das eigentliche Problem liegt meist in einem mangelnden Selbstwert. --- Unsere Gesellschaft, in der Konsum eine zentrale Rolle spielt, kann ebenfalls Ursache sein. In einem bestimmten Rahmen, einer „kontrollierten“ Form wird die Konsum-Sucht als „Normalität“ der Gesellschaft betrachtet. Kaufen gilt als Symbol für selbständiges, kompetentes Entscheiden, für Luxus und intensives Leben.

 

Die Folgen

Schamgefühl und ein schlechtes Gewissen ist oft mit der Konsum-Sucht verbunden. Die finanziellen Auswirkungen können verheerend sein, von einem überzogenen Konto, bis zur Verschuldung. In vielen Fällen wird die Einengung und Vereinsamung am schlimmsten empfunden. Aber auch (Ehe-) Beziehungen sind gefährdet.
 

Schritte aus der Sucht

Wer den ‚akuten‘ Kaufrausch kurzfristig stoppen will, sollte folgende Sofortmassnahmen treffen:
 
  •  Alle Kreditkarten zurückgeben.
     
  • Katalogwerbung abbestellen. Verzicht auf Bestellungen per Katalog und Internet.
     
  • Geschäftsstrassen und Einkaufszentren meiden, vor allem während des Ausverkaufs
     
  • Anlegen einer Liste mit Gegenständen, die man besitzt (z.b. 20 Paar Schuhe etc.), um sich bewusst zu machen, dass man bereits genug oder mehr als genug besitzt.
     
  • Erstellen einer Einkaufsliste, um nur die nötigen Dinge einzukaufen.

Kaufsüchtige neigen dazu, ihre Sucht zu kaschieren. Sie verbergen ihr Verhalten mit dem Hinweis, dass es sich nur um kleine, liebenswerte und völlig harmlose Gewohnheiten handelt. Und selbstverständlich braucht man keine Hilfe, denn die eine oder andere Gewohnheit ist ja wirklich ganz normal, oder? Es gibt kaum jemand, der zugibt süchtig zu sein, denn das sind wir irgendwie alle. 
 

  • Am wichtigsten ist daher das Eingeständnis, süchtig zu sein. Solange abhängige Menschen sich ihre Sucht nicht eingestehen müssen oder können, ist Veränderung nicht möglich.
     
  • Betroffene sollten therapeutisch-seelsorgerliche Hilfe in Anspruch nehmen. Die tiefer liegenden Defizite müssen aufgearbeitet werden, damit es zu einem neuen Verhalten kommen kann. Viele Abhängige schaffen den Ausstieg nur mit fachlicher Unterstützung. Auch Selbsthilfegruppen sind wichtig.
     
  • In eine Abhängigkeit oder Sucht gerät man gleitend, das Erwachen kommt meist erst, wenn es zu spät ist. Es gilt daher, die feinen Formen des Konsum- und Kaufzwangs zu erkennen und zu durchbrechen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, was man wirklich braucht, und nicht kopflos darauf los kaufen.
  • Sich selber unter Kontrolle haben, und in Freiheit auch mal „Nein“ sagen können. In diese Richtung zielt das Bibelwort aus 1. Korinther 6,12: „Es ist alles erlaubt“, sagt ihr. Das mag stimmen, aber es ist nicht alles gut für euch. Diese Parole „Es ist alles erlaubt“ darf aber nicht dazu führen, dass ich mich von irgend etwas beherrschen lasse und meine Freiheit verliere.“
  
© Ernst Bai (Nov. 08)
 
 
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