Unruhig, deprimiert, ausgelaugt und schlapp. Das Gefühl, mit den Kräften am Ende zu sein, galt lange als typisch männliche Reaktion auf zu viel Stress im Job. Doch auch Frauen brennen aus – die Folge jahrelanger Überlastung.
„Ich weiss nicht, was mit mir los ist. Aber mir fehlt einfach die Kraft, im Haushalt wenigstens das Nötigste zu machen. Die Kinder nerven mich. Der Mann stresst mich, weil er mich dauernd kritisiert. Meine Weiterbildung musste ich an den Nagel hängen. Der Kontakt zu Freundinnen und Verwandten ist fast abgebrochen. Wenn ich am Morgen aufstehen sollte, kommt es mir vor, als wäre ich mit Gewichten an die Matratze gefesselt. Ich bin erst 32 Jahre alt, und kann mich an nichts mehr richtig freuen. Mein Leben ist leer und öde geworden. Manchmal frage ich mich, ob ich überhaupt noch normal bin.“
Was ist Burnout?
Im Wort Burn-out stecken zwei Begriffe. Der erste Teil beinhaltet das Brennen. Diese Menschen brennen für eine Sache. Sie handeln feurig und nicht ‚lauwarm’. Sie sind engagiert und können andere mitreissen und motivieren. Das ist der positive Aspekt. Der zweite Teil des Wortes - das „out“ - macht deutlich: Es ist aus! Das Feuer ist erloschen. Aus dem Feuerbrand ist Asche geworden. Vorher hatte der Mensch alles eingesetzt, alle Kräfte investiert. Jetzt ist nichts mehr vorhanden.
Wer ist betroffen?
Vom Burnout-Syndrom betroffen sind Menschen, die einst „brannten“, also idealistische, begeisterte, engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie kommen aus fast allen Berufen, sind Frauen und Männer, also zum Beispiel Ärzte, Pfarrer, Pflegefachfrauen, Manager, Lehrer, Vorgesetzte, Kunden, Schüler, Studenten, Kollegen und Kolleginnen. Viele von ihnen fühlen sich in ihrer Arbeitssituation gefangen, stecken in Sachzwängen und sehen keine Möglichkeit etwas zu verändern. Kommen dann noch Stress, eigene Veranlagung und Sinnkrisen hinzu, kann das zum Burnout führen.
Die Symptome von Burnout
Die Diagnose ist schwierig und stützt sich auf mehrere Symptome. Überprüfen Sie anhand der folgenden Checkliste, ob Sie gefährdet sind.
- Emotionale Erschöpfung
Das Burnout-Syndrom entwickelt sich schleichend und kann sich über Jahre hinziehen. Erst haben wir den Eindruck, zu wenig Zeit für uns zu haben. Durch ständige Überanstrengung und Überforderung der eigenen Kräfte, kommt das Gefühl auf, ausgelaugt und leer zu sein. Schon die einfachsten Tätigkeiten sind mühsam und anstrengend. Nebst dem Mangel an Energie zeigt sich chronische Müdigkeit und ein erhöhtes Unfallrisiko.
- Reduzierter Einsatz und Zynismus
Als Kern des Symptoms bezeichnen Experten den Rückzug von Aktivitäten und den Zynisismus. Wurde die Arbeit zuvor idealistisch erhöht, so folgt jetzt die Kehrtwende von „geben“ zu „nehmen.“ Die Arbeitsleistung wird reduziert, es kommt zum Dienst nach Vorschrift. Arbeitspausen werden überzogen. Betroffene „funktionieren“ zur noch, ohne echte innere Beteiligung. Körperliche Erschöpfung kommt hinzu: Betroffen beschreiben das Gefühl, mit immer mehr Energieaufwand immer weniger zu erreichen. Positive Gefühle gegenüber Kollegen und Kolleginnen gehen verloren. Negative Gefühle gegenüber Hilfesuchenden oder Geschäftskunden machen sich breit. Zu Hause kommt es zu vermehrten Konflikten mit Partnern und Kindern.
- Verflachte emotionale Reaktionen
Chef, Kollegen und Partner werden für das eigene Befinden verantwortlich gemacht. Es kommen Aggressionen auf. Die Belastbarkeit nimmt ab. Ängste und Nervosität machen sich breit. Es kommt zu Bitterkeit und Gefühlen der Abstumpfung. Das Gefühl der inneren Leere tritt vermehrt auf. Ohnmächtig stehen die Betroffenen ihren Lebensaufgaben gegenüber. Es kommt zu einer pessimistischen Lebenshaltung. Alles scheint sinnlos zu sein. Apathie und Fatalismus stellen sich ein.
- Beeinträchtigter Gesundheitszustand
Es zeigen sich psychosomatische Symptome wie Kreislaufbeschwerden, Infektionskrankheiten, Hörsturz, Bandscheibenprobleme, Migräne, Schlafstörungen, muskuläre Verspannungen und Verdauungsstörungen. Manchmal zeigen sich psychosomatische Reaktionen schon in der Anfangsphase. Betroffene stehen unter ständiger Anspannung. Echte Entspannung gelingt nicht mehr.
- Verzweiflung
Kein Ausweg in Sicht. Es macht sich existenzielle Verzweiflung breit. Vorübergehende Gefühle der Hilflosigkeit haben in chronische Leere umgeschlagen. Alles erscheint sinn- und hoffnungslos. Das Leben insgesamt scheint nicht mehr lebenswert zu sein.
Achtung Burnout!
Bei drohendem Burnout:
- Achten Sie auf Ihre körperlichen Symptome. Die meisten Betroffenen nehmen die Symptome nicht ernst, bevor sie nicht körperlich erkranken. Waren Sie in letzter Zeit öfters erschöpft oder krank?
- Fragen Sie sich, was für Ihr inneres Gleichgewicht wichtig ist, und entscheiden Sie, welche Ressourcen geschaffen und erhöht werden sollen. Wie gut gelingt Ihnen die Entspannung?
- Pflegen Sie vorhandene Ressourcen. Das Pflegen vorhandener Ressourcen ist viel wichtiger als das Aufbauen ungenügend vorhandener. Welche Beziehungen bauen Sie auf, wo können Sie auftanken?
- Schauen Sie, dass Sie sich im Berufsleben entfalten können und dass Sie eine echte Herausforderung erleben; keine grosse Über- aber auch keine Unterforderung. Wo überfordern Sie sich selbst?
- Suchen Sie nach dem Sinn in Ihrer Tätigkeit. Das Erleben von Sinn ist der beste Schutzfaktor gegen Burnout. Welchen Sinn empfinden Sie bei Ihrer Tätigkeit?
Wie Sie aus einem Burnout-Zustand wieder herauskommen
- Informieren Sie sich über das Burnout-Syndrom, über Möglichkeiten und Grenzen der Beratung und Behandlung. Wichtige Hinweise dazu kann Ihnen zum Beispiel der Hausarzt geben.
- Nehmen Sie die Hilfe von Fachpersonen in Anspruch. Ein Arzt, ein Therapeut, ein Seelsorger oder Coach, der auf der körperlichen und seelischen Ebene beraten kann. Da oft Medikamente benötigt werden, ist die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Seelsorger/Therapeut/Coach besonders hilfreich.
- Entscheidend für den Erfolg ist die Einstellung des Betroffenen selbst: Er soll eigenverantwortlich zu einem anderen Lebens- und Arbeitsstil finden und diesen konsequent umsetzen. Fachpersonen können ihn dabei unterstützen und begleiten.
- Vertrauen Sie darauf, dass Gott Ihnen hilft, diese Krise zu überwinden. Längst vor uns haben Menschen in ähnlichen Lebenssituationen Hilfe, Trost und Unterstützung erfahren. Oft haben diese Krisen zu einer vertieften Gottesbeziehung geführt. (Siehe Kästchen „Burnout bei Menschen der Bibel“).
Burnout bei Menschen der Bibel
Mose: 4. Mose 11,14-15 “Ich halte es nicht mehr aus!”
Elia: 1. Könige 19,1-13 „Ich kann nicht mehr.“
Jeremia: Jeremia 20,14-18 „Verflucht sei der Tag, an dem ich geboren wurde.“
© Ernst Bai (Nov. 08)
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